Genesis am 08.04.1975 - CCH Hamburg
The lamp lies down on broadway

Genesis ist eine 1967 gegründete britische Rockband, die gemeinhin für ihre sehr individualistischen Mitglieder und ihre beiden deutlich unterschiedlichen musikalischen Ären bekannt ist. Mit über 150 Mio. weltweit verkauften Alben zählen Genesis zu den dreißig Bands mit den größten Plattenverkäufen.

Zu Beginn der Karriere der ursprünglich fünfköpfigen Band machten die komplexen Songstrukturen, durchdachten Instrumentierungen und theaterhaft-künstlerischen Live-Auftritte Genesis zu einer der wichtigsten und beliebtesten Bands des Progressive-Rock-Genres. Neben King Crimson, Emerson, Lake & Palmer und Yes zählt Genesis zu den „großen Vier“ dieser vor allem in den 1970er Jahren populären Gattung.

 

 

Nach Ausstieg des ursprünglichen Frontmanns Peter Gabriel 1975 und des Gitarristen Steve Hackett 1977 machte das verbliebene Trio, bestehend aus Tony Banks, Phil Collins und Mike Rutherford, ab den späten 1970ern eine stilistische Wandlung durch. Mit ihrem nun zumeist radiotauglichen Mainstream-Rock wurden Genesis zu einer der kommerziell erfolgreichsten Musikgruppen der 1980er und frühen 1990er Jahre.

Nach Collins’ vorläufigem Abschied von der Band wurde 1997 für ein Album samt nachfolgender Tournee Ray Wilson als Sänger engagiert. Anschließend trat die Band mit Anthologien ihrer bisherigen Stücke, Veröffentlichung von bislang nicht offiziell erhältlichem Archivmaterial und neuen SACD-Abmischungen ihrer Alben in Erscheinung. Im Sommer 2007 gingen Genesis in Europa und Nordamerika wieder mit Phil Collins auf Tournee. Im März 2010 wurden Genesis als wichtige und einflussreiche Band als neues Mitglied in der Rock and Roll Hall of Fame aufgenommen.


Die Wurzeln von Genesis sind an der Charterhouse School in Godalming (Surrey) zu finden. 1963 traten zunächst Peter Gabriel und Tony Banks in die traditionsreiche, elitäre Privatschule ein. Beide waren frustriert von den damals sehr strengen und repressiven Regeln einer englischen Public School und nutzten ihre knapp bemessene Freizeit zum gemeinsamen Musizieren. Tony Banks spielte bereits seit seiner frühen Kindheit Klavier. Auch Peter Gabriel bekam in seiner Jugend Klavierunterricht, interessierte sich bald aber mehr für das Schlagzeug. Da beiden in der Schule nur ein Klavier zur Verfügung stand, einigte man sich darauf, dass Banks dieses spielte, während Gabriel dazu sang. So spielten beide zunächst bekannte Rock- und Popsongs ihrer Zeit nach, komponierten aber auch schnell erste eigene Stücke.

 

 

1964, ein Jahr nach Banks und Gabriel, kam Mike Rutherford an die Schule. Er spielte seit seinem siebten Lebensjahr Gitarre. Er freundete sich mit einem anderen Gitarristen, Anthony Phillips, an und musizierte in der Folge gemeinsam mit ihm. Zusammen mit ihren Mitschülern Richard Macphail, Rivers Job und Rob Tyrrell gründeten die beiden 1965 ihre eigene Band Anon. Phillips war Leadgitarrist der Gruppe, während Rutherford die Rhythmusgitarre übernahm. Macphail (später Roadmanager und Tonmischer der frühen Genesis bis April 1973) steuerte den Leadgesang bei. Anon beschränkte sich zunächst auf das Nachspielen von Titeln der Rolling Stones oder anderen bekannten Rock- und Popgrößen ihrer Zeit. Eine Zeitlang wurde Rutherford durch Mick Colman ersetzt, da er mit dem Schlagzeuger Chris Stewart auch ein anderes Bandprojekt namens Climax verfolgte.

Etwa zur selben Zeit traten Banks und Gabriel der Schulband The Garden Wall des Trompeters Johnny Trapman bei. Als Schlagzeuger stieß Chris Stewart hinzu, während Rivers Job auch hier den Part des Bassisten übernahm. Im Sommer 1966 traten die Bands Anon, The Garden Wall und Climax anlässlich eines Charterhouse-Schulkonzertes gemeinsam auf, wobei der Mangel an Mitgliedern sie teilweise fusionieren ließ. Wer genau mit wem spielte, ist unklar, da die späteren Genesis-Mitglieder zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Auskünfte darüber gaben. Fakt ist, dass das Konzert für alle Beteiligten ein wichtiges Ereignis darstellte, obwohl es von der Schulleitung kurz vor Ende abgebrochen wurde: Rebell Richard Macphail hatte es trotz ausdrücklichen Verbots gewagt, den letzten Song anzusagen.

 

 

Kurze Zeit später löste sich Anon auf und Mike Rutherford und Anthony Phillips zogen sich zurück, um gemeinsam Songs zu schreiben. Als sie 1967 einige ihrer Stücke aufnehmen wollten, baten sie Tony Banks um musikalische Unterstützung am Klavier. Banks überzeugte den gesanglich nur mäßig begabten Phillips davon, Peter Gabriel als Sänger dazuzunehmen. Rutherford wechselte seinerseits von der Rhythmusgitarre zum Bass, da Rivers Job mittlerweile die Schule hinter sich gebracht und sich der Bluesrock-Band Savoy Brown angeschlossen hatte. In dieser Besetzung nahmen sie in den Osterferien bei einem Freund die Phillips/Rutherford-Kompositionen Don’t Want You Back, Try a Little Sadness, That’s Me, Listen on Five und Patricia sowie das Banks/Gabriel-Stück She Is Beautiful auf. Im Anschluss wurde Chris Stewart als Schlagzeuger verpflichtet, der die Erstbesetzung der Band komplettierte.

Die Peter-Gabriel-Ära

Von Oktober 1969 bis April 1970 bezog die Band ein abgeschiedenes Wochenendhaus, das "Christmas Cottage" der Eltern ihres Freundes Richard Macphail, um erstmals über einen langen Zeitraum intensiv an ihrer Musik zu arbeiten. Trotz einiger Differenzen zwischen den Bandmitgliedern machten die gemeinschaftlichen musikalischen Bemühungen hier einen Riesenschritt nach vorn. Während dieser Zeit nutzten Genesis zudem jede Gelegenheit, um die Titel live und vor Publikum zu testen, wodurch die erste kleine, aber treue Fangemeinde entstand. Der erste ordentliche Live-Auftritt der Band fand am 1. November 1969 in der Brunel University in Uxbridge statt und die Setlist der frühesten Konzerte pendelte sich bald auf die Stücke In The Beginning, The Serpent, Pacidy, Key To Love (Bluesbreakers-Cover), Visions Of Angels, Going Out To Get You, Stagnation, Little Leaf (unveröffentlichte Phillips-Komposition) und The Knife ein.

 

 

Auf der Suche nach einer geeigneten Plattenfirma sympathisierte die Band anfangs mit Island, Chrysalis und dem Threshold-Label der Moody Blues. Das Problem erledigte sich dann jedoch von selbst, als Genesis als Vorgruppe für Rare Bird spielten und daraufhin von deren Keyboarder Graham Field Tony Stratton-Smith empfohlen wurden. Als dieser einem ihrer Auftritte beiwohnte, war er vom Stück Visions of Angels so angetan, dass er die Band sofort bei seinem Label Charisma Records unter Vertrag nahm. Für Charisma nahmen Genesis im Juni und Juli ihr zweites Album auf.

Trespass wurde am 23. Oktober 1970 veröffentlicht und wird heute von vielen Fans als das erste „richtige“, unverfälschte Album der Gruppe angesehen. Im Vergleich zu ihrem ersten Album hatte sich die Musik von Genesis deutlich weiterentwickelt: An Stelle der kurzen Popsongs traten bis zu neun Minuten lange Titel mit ausgedehnten Instrumentalteilen. Trespass ist insgesamt eher akustisch gehalten und von zwölfsaitigen Gitarren, Orgel und Klavier dominiert. Einzig der frühe Live-Favorit The Knife ist als dynamische Rock-Nummer angelegt und durch aggressives E-Gitarren-Spiel gekennzeichnet. Dieser Titel erschien – in zwei Teile geteilt – im Mai des darauffolgenden Jahres auch als Single. Trotz einiger guter Kritiken war das Album kommerziell wenig erfolgreich.

 

Kurz nach den Aufnahmen zu Trespass kam es noch im Juli zu einem personellen Umbruch in der Band: Wegen künstlerischer Differenzen und aus Krankheitsgründen verließ Gitarrist Anthony Phillips die Gruppe. Er litt unter Lampenfieber, war von den mittlerweile zahlreichen Auftritten geschwächt und in musikalischen Fragen oft anderer Meinung als die anderen Bandmitglieder. Dieser Austritt stellte für Genesis einen großen Verlust dar, da sie neben ihrem Gitarristen auch einen wichtigen Songschreiber und die eigentliche frühe Schlüsselfigur der Band verloren. Die Folgezeit wird von den verbliebenen Mitgliedern noch heute als größte Krise der Bandgeschichte beschrieben. Im Zuge von Phillips’ Abschied trennte man sich auch von Schlagzeuger John Mayhew, der das mittlerweile hohe musikalische Niveau der Band nicht mehr halten konnte. Nach einer kurzen Phase der Ratlosigkeit, in der sogar das Ende der Band zur Diskussion stand, entschied man sich schließlich dazu, weiterzumachen und per Anzeige im Melody Maker nach einem neuen 12-Saiten-Gitarristen und einem fähigen Schlagzeuger zu suchen.

Eintritt von Phil Collins und Steve Hackett

Auf die Anzeige meldete sich Phil Collins, der seit früher Kindheit Schlagzeug gespielt und schon als Jugendlicher durch eine Rolle im Musical Oliver! Bühnenerfahrungen gesammelt hatte. Zudem hatte er in einigen Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt, unter anderem als Statist im Beatles-Film Yeah Yeah Yeah (A Hard Day´s Night). Zusammen mit seinem Freund Ronnie Caryl spielte er in der relativ unbekannten Band Flaming Youth, die 1969 das Album Ark 2 veröffentlicht hatte. Er sah sich gerade nach einer neuen musikalischen Herausforderung um, als er davon erfuhr, dass Genesis nach neuen Musikern suchten. So meldete er sich im August 1970 zusammen mit Gitarrist Caryl auf die Anzeige und sie wurden im Haus von Peter Gabriels Eltern zum Vorspielen eingeladen. Dabei wurde schnell klar, dass Collins den Job als Schlagzeuger bekommen würde. Er spielte die Genesis-Stücke nicht nur überzeugend, sondern passte auch menschlich zur Band.

Die Suche nach einem passenden Gitarristen gestaltete sich in der Folge schwieriger, da man nicht nur einen Musiker suchte, sondern auch einen Songschreiber, der zu der Band passte. Zudem waren die vor allem von Mike Rutherford gestellten instrumentalen Anforderungen an den neuen Gitarristen sehr hoch. So kam es, dass die Suche zunächst erfolglos blieb. Daher spielte man einige Monate als Quartett und Tony Banks übernahm die Gitarrenteile auf seinen Keyboards. Für kurze Zeit stieß der Gitarrist Mick Barnard zur Band, der allerdings das Niveau der restlichen Band nicht halten konnte.

Im Dezember 1970 entdeckte Peter Gabriel im Melody Maker eine Anzeige des Gitarristen Steve Hackett, der auf der Suche nach gleichgesinnten Musikern und Songschreibern war. Hackett spielte seit Mitte der 1960er Jahre elektrische und akustische Gitarre. Bereits im Alter von 16 Jahren hatte er die Schule verlassen und danach in verschiedenen Bands mitgewirkt. Dabei wurde er von den Blues-Gitarristen seiner Zeit wie beispielsweise Eric Clapton beeinflusst, ebenso von experimentierfreudigeren Gitarrenkünstlern wie Jeff Beck und später Robert Fripp. Bei seinem Spiel kam es ihm weniger auf Geschwindigkeit an, sondern vielmehr darauf, mit seiner Gitarre in neue melodische und harmonische Bereiche zu gelangen. Gabriel rief ihn an und riet ihm, sich das Stück Stagnation von Trespass anzuhören und sich wieder zu melden, wenn es ihm zusagte. Nach einem Freikonzert der Band im Londoner Lyceum, dem Hackett beiwohnte, wurde er zum Vorspielen in Tony Banks’ Wohnung eingeladen und bekam den Job. Zum Jahreswechsel 1970/71 war so die „klassische“ Besetzung von Genesis komplett.

 


Das erste Album mit den beiden neuen Bandmitgliedern, Nursery Cryme, wurde im August 1971 aufgenommen und im November veröffentlicht. Es enthielt das Klassik-beeinflusste The Fountain of Salmacis und mit The Musical Box einen der größten Genesis-Klassiker, an dessen Entstehungsprozess auch Hacketts Vorgänger Phillips und Barnard Anteil gehabt hatten. Collins bereicherte den Gruppen-Sound mit seinem bisweilen jazzigen Stil und war beim kurzen Stück For Absent Friends erstmals auch als Leadsänger zu hören. Hackett fügte Aggression einerseits und eine größere atmosphärische Bandbreite andererseits hinzu.

 

Nach Erfolgen in Belgien (Trespass an der Charts-Spitze) und Italien (Nursery Cryme auf Nr. 4) verschlug es Genesis Anfang 1972 auf den Kontinent: nach einem Auftritt in Brüssel im Januar spielte die Band im April gleich sieben Mal in Italien und gab auf dem Rückweg im Frankfurter Zoom Club ihr Deutschland-Debüt. Die Single Happy the Man ging im Mai 1972 zwar noch sang- und klanglos unter, aber das im Oktober veröffentlichte Album Foxtrot mit dem epischen Supper’s Ready und dem von Arthur C. Clarke inspirierten Watcher of the Skies brachte der Band endlich auch den kommerziellen Durchbruch im eigenen Land (Platz 12).

War die Band bis dahin zumeist als Vorgruppe anderer Acts bzw. als Bestandteil von Festival-Programmen in Erscheinung getreten, so stellte die auf dem Album Genesis Live dokumentierte Foxtrot-Tour von 1972/73 ihre erste Tournee als Hauptattraktion dar. Zu dieser Zeit begann Gabriel mit diversen Verkleidungen und Masken zu experimentieren, um die oft surrealistischen Texte der Band visuell zu unterstreichen. Seine exzentrische Bühnenshow sowie generell die Verknüpfung von Musik und Optik in den Konzerten verhalfen Genesis zu großer Popularität. Bis dahin von Tony Stratton-Smith und sich selbst mehr schlecht als recht gemanagt, verpflichtete die Band mit Tony Smith 1973 erstmals einen professionellen Manager, der fortan sämtliche Genesis-Werke vermarktete (ab 1977 mit seiner Firma Hit & Run Music Publishing).

Selling England by the Pound (seinerzeit ein Wahlkampfslogan der Labour Party) zeigte die Band Ende 1973 mit wesentlich diesseitigeren Texten, feiner nuanciertem Klang und noch größerer Filigranität und Virtuosität an den Instrumenten. Das Album beinhaltete Klassiker wie Firth of Fifth, The Cinema Show und I Know What I Like (In Your Wardrobe), die fortan zum festen Live-Repertoire der Band gehörten. Steve Hackett war damals einer der ersten Gitarristen, der die Spieltechnik des Tapping und des Sweep Picking einführte, was oft fälschlicherweise Eddie Van Halen respektive Yngwie Malmsteen zugeschrieben wird. Beide Techniken sind im Song Dancing with the Moonlit Knight zu hören. Die Auskopplung I Know What I Like wurde Anfang 1974 zum ersten kleineren Single-Hit der Band.

Das Konzept-Doppelalbum The Lamb Lies Down on Broadway und die anschließende Tour stellen nach Meinung vieler Fans den künstlerischen Höhepunkt der Schaffensperiode mit Peter Gabriel dar. Das Album wurde am 18. November 1974 veröffentlicht und handelt von der fantastischen und surrealen Reise des puerto-ricanischen Punks Rael in New York, der in einem Paralleluniversum seinen Bruder John retten muss. Insbesondere die erste Platte des Doppelalbums ist von kürzeren Stücken dominiert, was eine deutliche Abkehr von den eher längeren und ausgedehnten Songs bisheriger Alben darstellt. Der Gebrauch verzerrter Instrumente, neuer elektronischer Keyboardsounds und anderer synthetischer Klänge (wie etwa die Effekte auf Gabriels Stimme beim Song The Grand Parade of Lifeless Packaging) war merklich in den Vordergrund gerückt. Dies stand im auffälligen Kontrast zu den vorhergehenden Alben, was „alten“ Genesis-Fans nicht unbedingt gefiel, jedoch neue Hörerschichten erschloss. Auf The Lamb Lies Down on Broadway praktizierte die Band eine Art Arbeitsteilung: Gabriel schrieb die Story und die Songtexte (mit Ausnahme des Textes zu The Light Dies Down on Broadway, der von Banks und Rutherford stammte), die anderen Bandmitglieder komponierten die Musik (mit Ausnahme von Counting out Time und Carpet Crawlers, an denen Gabriel beteiligt war).

Am 12. November begaben sich Genesis mit ihrem Werk auf Welttournee, und da The Lamb ein Konzeptalbum war, wurde es komplett aufgeführt. Dabei machte die Gruppe extensiven Gebrauch von Licht- und Lasereffekten; die meisten der damals benutzten Effektgeräte waren Sonderanfertigungen des Niederländers Theo Botschuijver. Ein spezieller Handlaser erlaubte es Peter Gabriel, das Publikum mit verschiedenen Lichteffekten zu behelligen, während sein Slipperman-Kostüm den nicht von allen goutierten Höhepunkt seiner Maskeraden darstellte. Collins erinnerte sich später: „Er steckte in diesem ‚Slipperman‘-Kostüm und versuchte, das Mikrofon irgendwie in die Nähe seines Munds zu bekommen, verwickelte sich und geriet dabei völlig außer Atem. Gegen Ende fand ich, dass der Gesang nicht wirklich zu hören war.“ Bereits gegen Anfang der Tour, im Dezember 1974, hatte Peter Gabriel seinen Bandkollegen verkündet, dass er sie verlassen werde.

 

 

Die Gründe für Peter Gabriels Genesis-Ausstieg waren vielschichtig: Die Band wurde in der Öffentlichkeit immer mehr als "Gabriel und seine Mitspieler" wahrgenommen, was zu internen Spannungen geführt hatte. Diese verstärkten sich noch, als der Frontmann mitten im Schreibprozess zu The Lamb einem Angebot des Regisseurs William Friedkin für ein gemeinsames Filmprojekt nachkommen wollte. Als es Ende Juli, kurz vor den Album-Aufnahmen, dann noch zu Komplikationen bei der Geburt von Gabriels erster Tochter kam, war die gegenseitige Entfremdung perfekt: die anderen (kinderlosen) Bandmitglieder zeigten wenig Verständnis für Gabriels Wunsch, sich verstärkt um Frau und Kind zu kümmern, anstatt all seine Zeit in den Dienst der Band zu stellen, deren Durchbruch in den USA mit Händen zu greifen war.


Peter Gabriel als Solokünstler 2004Gabriels Abschied erfolgte schließlich am 22. Mai 1975 mit dem letzten Konzert der The Lamb Lies Down on Broadway-Tour im französischen Besançon, wurde aber erst im August publik gemacht. Ursprünglich wollte der Musiker dem Rock-Geschäft für immer Lebewohl sagen, aber bereits 1976 nahm er schon wieder erste Demos mit Solomaterial auf. Der Song Solsbury Hill seines ersten Albums Peter Gabriel (1977) war eine Allegorie über seinen Abschied von Genesis, in der er seine Ex-Kollegen mit Zeilen wie „no-one taught them etiquette“ bedachte. Trotz der damals harten zwischenmenschlichen Konflikte sind sich Gabriel und Genesis bis heute in Freundschaft verbunden geblieben - in späteren Jahren äußerte die Band nachträglich vollstes Verständnis für seine Entscheidung, der Familie den Vorrang zu geben.

 

 

 

 

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