Konzert am 29.Junil 1976 im CCH Hamburg

 

 

 

Auf der Suche nach einem Nachfolger für Peter Gabriel probierten die verbliebenen Bandmitglieder zahlreiche Sänger aus, bevor sie erkannten, dass der passende Mann für den Job sich bereits in ihren eigenen Reihen befand: Schlagzeuger Phil Collins, der schon von Anfang an auch als Background-Sänger der Band überzeugt hatte, übernahm schließlich die Position des Lead-Sängers. Das von David Hentschel (vormals Toningenieur des Albums Nursery Cryme) produzierte erste Album der Nach-Gabriel-Ära, A Trick of the Tail, wurde 1976 von Fans und Kritikern freundlich aufgenommen und verkaufte sich besser als alle bisherigen Genesis-Alben. Am Ende des (fast) instrumentalen Stücks Los Endos war ein auf Peter Gabriel gemünztes Selbstzitat aus der Suite Supper's Ready zu hören: „There's an angel standing in the sun …freed to get back home“. Nach Meinung vieler klang Collins’ Stimme „mehr nach Gabriel als Gabriel selber“.[7] Bei den Liveauftritten der Trick-Tour übernahm der ehemalige Yes/King-Crimson-Schlagzeuger Bill Bruford den Posten von Collins, damit dieser sich auf das Singen konzentrieren konnte. Collins’ Ansatz als Frontmann bei Live-Auftritten unterschied sich von Gabriels theaterinspirierten Auftritten und seine Interpretationen der Gabriel-Stücke klangen beschwingter. Jahre später, beim Milton-Keynes-Reunion-Konzert von 1982, offenbarte Gabriel Collins, dass er die Lieder besser als er selbst sänge, jedoch nie wie er.

 

 

Im Dezember 1976 wurde das Album Wind & Wuthering in Großbritannien veröffentlicht, im Januar 1977 auch weltweit. Es war das erste von zwei in den Hilvarenbeeker Relight Studios aufgenommenen Genesis-Alben.[9] Der Albentitel war Emily Brontës Roman Sturmhöhe (engl. Wuthering Heights) entlehnt, dessen letzte Zeilen „how anyone could ever imagine unquiet slumbers for the sleepers in that quiet earth“ auch die Titel des siebten und achten Stücks des Albums inspirierte. Das Album beinhaltete u. a. die komplexe mehrteilige Suite One for the Vine. Bei den Live-Auftritten sitzt seit 1977 der Jazz-Fusion-Musiker Chester Thompson am Schlagzeug, der zuvor unter anderem bei Weather Report und Frank Zappa gespielt hatte. Im Studio und bei längeren Live-Instrumentalparts spielte Collins bis zur letzten Aufnahme 2007 zusätzlich zu Thompson Schlagzeug.

 

 


Die beiden unter der Viererbesetzung entstandenen Prog-Alben A Trick of the Tail und Wind & Wuthering trugen zum Image von Genesis als „Bombastrocker“ bei. Besonders der extrem voluminöse Klang des legendären Moog-Taurus-Basspedals durch Mike Rutherford trug maßgeblich zum unverwechselbaren, kraftvollen Sound von Genesis bei. Die zunehmende Popularität des Punk wird nicht selten als Gegenbewegung dazu angesehen.

 

 


Gitarrist Steve Hackett fühlte sich in seiner künstlerischen Freiheit in der Band vor allem durch Tony Banks und einer zunehmenden Keyboard-Orientierung des Genesis-Sounds stark eingeschränkt. Hackett war auch das erste Bandmitglied, das mit Voyage of the Acolyte 1975 ein Soloalbum veröffentlicht hatte, mit dem er respektable Erfolge erzielen konnte. Bei den Aufnahmen zu Wind & Wuthering wollte er ein Viertel des Albums zugestanden haben, um sein Songmaterial unterbringen zu können, was laut Collins allerdings „eine blöde Art und Weise war, in einem Band-Kontext zu arbeiten“.[10] Banks, Collins und Rutherford versuchten ihn zu beschwichtigen, indem sie ihm bei den beiden Instrumentalstücken Unquiet Slumbers for the Sleepers… / …In That Quiet Earth (ursprünglich ein einzelner Song) zusätzlichen kompositorischen Spielraum überließen. Hacketts eigene Komposition Please Don’t Touch fand jedoch bei den Kollegen keinen Gefallen und wurde auf dem Album durch einen anderen Instrumentalsong, Wot Gorilla?, ersetzt, während das von Hackett gemeinsam mit Phil Collins geschriebene Blood on the Rooftops nie bei den Live-Auftritten der Band gespielt wurde. Nach der Veröffentlichung der Spot the Pigeon-EP (1977), die aus weiteren Stücken der Wind & Wuthering-Sessions bestand, verließ Hackett schließlich die Band, als sie gerade dabei war, das Live-Album Seconds Out abzumischen.

 

 

Die Gruppe entschied sich, als Trio weiterzumachen, was durch den Titel ihres 1978er Albums And Then There Were Three reflektiert wurde. Mike Rutherford übernahm ab hier das Gitarrenspiel bei den Studioaufnahmen, um sich bei Live-Auftritten mit Daryl Stuermer an Gitarre und Bass abzuwechseln. Mit dem ersten Album in Trio-Besetzung begann auch eine Neuorientierung weg von zehnminütigen Prog-Epen hin zu kürzeren, radiofreundlicheren Songs. Mit Follow You, Follow Me landete die Band in den USA ihren ersten Hit, was entscheidend dazu beitrug, dass And Then There Were Three in den Vereinigten Staaten „vergoldet“ wurde.

 



1979 kam es nach Aussage der Band zur größten Gefährdung des Fortbestehens von Genesis seit dem Weggang von Anthony Phillips neun Jahre zuvor: Phil Collins zog ins kanadische Vancouver, um seine in die Brüche gehende Ehe zu retten. Zwei Monate und eine Scheidung später kehrte er jedoch nach Großbritannien zurück und verarbeitete seine Erfahrungen im Album Duke (1980). Collins äußerte sich später, dass die gescheiterte Ehe seine Entwicklung als Songschreiber beschleunigt habe. Duke war tatsächlich das erste Genesis-Album, auf dem Banks, Collins und Rutherford gleichen Kompositionsanteil hatten. Während sie auf And Then There Were Three bemüht waren, kürzere und prägnantere Lieder zu schreiben, stellte Duke den eigentlichen Übergang Genesis’ vom Progressive Rock in Richtung des massenkompatiblen und überaus erfolgreichen Poprock der 1980er Jahre dar. Ihr progressiver Sound blieb nur noch in marginalen Ansätzen vorhanden; vollständig ignoriert wurde er aber nie, sondern höchstens dem moderneren Sound der Achtziger angepasst. Die Nutzung eines Drumcomputers war ein gleichbleibendes Merkmal künftiger Genesis- und Collins-Soloalben. Die kommerzieller gestaltete Musik erhielt bei den Massenmedien gute Kritiken. Duke war für Genesis der erste Nummer Eins-Erfolg in den BBC-Album-Charts, und die Auskopplungen Turn It On Again und Misunderstanding waren zwei von der Band gern und häufig gespielte Songs.

 

Joomla templates by a4joomla
Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok