Konzert am 26.09.1974 im CCH Hamburg

Die Musik spielte für Leonard Cohen zunächst eine untergeordnete Rolle, da er sich in einem universitären Debattierclub engagierte und eine Karriere als Schriftsteller anstrebte. Cohens Erstlingswerk, ein Gedichtband mit dem Titel Let Us Compare Mythologies, erschien 1956, noch bevor er einen Abschluss an der Universität hatte. In diesem Buch, dessen Erstauflage 500 Exemplare betrug, lassen sich viele seiner späteren Hauptthemen ausmachen. Der Nachfolger, The Spice-Box Of Earth (1961), erhöhte die Popularität des jungen Künstlers besonders innerhalb Kanadas, aber auch im Ausland begann man, auf ihn aufmerksam zu werden.

In den folgenden Jahren führte er ein unstetes Leben. Stipendien und die Einnahmen durch seine Bücher ermöglichten es ihm, sich nach längeren Reisen quer durch Europa auf der griechischen Insel Hydra niederzulassen. Von dort aus veröffentlichte er die Romane The Favourite Game (1963) und Beautiful Losers (1966) sowie den Gedichtband Flowers for Hitler.


967 kehrte Cohen nach Amerika zurück, um in New York eine Karriere als Folksänger und Songwriter zu beginnen. Zu dieser Zeit hatte bereits die US-Folksängerin Judy Collins mit Erfolg Texte von ihm interpretiert, darunter Suzanne. Cohen wohnte damals im Chelsea Hotel, einer legendären Künstlerherberge, in der viele Berühmtheiten vor und nach ihm lebten. Mit Chelsea Hotel No. 2, einem Lied über seine Beziehung mit Janis Joplin, setzte er dem Hotel später auch ein Denkmal. Seinen Song Suzanne popularisierte Herman van Veen im deutsch- und niederländischsprachigen Raum.

Sein Debüt als Sänger gab Leonard Cohen 1967 auf dem Newport Folk Festival. Der Produzent John Hammond von Columbia Records entdeckte ihn und sah in ihm einen zweiten Bob Dylan. Dadurch kam Cohens erstes Album Songs of Leonard Cohen zustande. Die melancholische Platte wurde ein großer Erfolg in der Folk- und Songwriterszene, Songs wie Sisters of Mercy, So long, Marianne und besonders Suzanne gehören noch heute zu Cohens bekanntesten. Die drei Titel The Stranger Song, Winter Lady und Sisters of Mercy untermalen auch Robert Altmans Antiwestern McCabe & Mrs. Miller, dessen melancholische Stimmung maßgeblich von den Cohen-Songs geprägt wird.

Zunächst sah er die Musik nur als Mittel an, schnell Geld zu verdienen, um sich seinen dichterischen Tätigkeiten widmen zu können, eine Haltung, die er mit wachsendem Erfolg jedoch bald aufgab.

Der Nachfolger Songs from a Room (1969), ein ähnlich klingendes Album, das unter anderem Bird on the Wire enthält, festigte Cohens Stellung als Songwriter und erzielte vor allem in Europa hohe Verkaufszahlen.

Songs of Love and Hate (1971) entstand in einer Zeit persönlicher Krise und ist das wohl traurigste Album Cohens. Kritiker schrieben damals, Rasierklingen sollten doch gleich zusammen mit den Alben geliefert werden. Nachdem 1972 Cohens erstes Live-Album erschien, folgte 1974 mit New Skin for the Old Ceremony das nächste Studioalbum. Produziert von John Lissauer, klingt dieses Werk durch stärkere orchestrale Begleitung anders als seine Vorgänger, auch wenn die Lieder immer noch von einer melancholisch-depressiven Stimmung zeugen. 1977 veröffentlichte Cohen Death of a Ladies’ Man. Das Album war in Zusammenarbeit mit Phil Spector entstanden. Die pathosreiche Mischung aus Spectors starker Instrumentierung (Wall of Sound) und Cohens Gesang sorgten für kontroverse Diskussionen, auch das Verhältnis von Cohen selbst zum Album blieb immer zwiespältig. Dies lag auch daran, dass es zum Streit kam und Spector schließlich die Bänder beim Abmischen durch einen „Leibwächter“ vor Cohens Zugriff sicherte.

Die im September 1979 erschienenen Recent Songs zeichneten sich durch größere Folk-Einflüsse aus und wiesen wieder mehr Ähnlichkeit mit den ersten Alben auf. Bereits hier zeichnete sich eine Hinwendung zu religiösen Themen ab. Diese Entwicklung erreichte im nach längerer Pause erst 1984 erschienenen Album Various Positions einen Höhepunkt. Es enthält das „Gebet“ If It Be Your Will, das Leonard Cohen selbst immer wieder als sein bestes Lied bezeichnet hat, außerdem ist das oft gecoverte Hallelujah enthalten. Von der Melancholie und dem Selbstzweifel der frühen Alben ist nichts mehr zu spüren, dagegen kann man in den Versen nun Humor und Selbstironie ausmachen. Musikalisch ist das Album, wie der Titel nahelegt, durchaus abwechslungsreich, so gibt es mit The Captain einen fast fröhlich klingenden Country-Song, der zum bitteren Text einen starken Kontrast bildet.

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