Mike Oldfield am 14.06.1983 im St. Pauli Stadion am Millerntor

Frühe Jahre und 70er
Oldfields Eltern sind Maureen und Raymond Oldfield. Seine Schwester Sally und sein Bruder Terry haben auf mehreren seiner Alben mitgewirkt. Sally Oldfield hat mehrere eigene Alben herausgebracht und hatte z. B. mit dem Titel Mirrors einen kommerziellen Erfolg.

Oldfields berühmteste Komposition (und gleichzeitig Debütalbum) ist Tubular Bells, das er 1972 aufgenommen und am 25. Mai 1973 veröffentlicht hat. Sein Vorgehen war bahnbrechend, da er als gerade 19-Jähriger eigenhändig in vielschichtiger Weise verschiedene musikalische Stile mit 20 verschiedenen Instrumenten auf mehreren Tonspuren aufnahm. Nach der Veröffentlichung verkaufte sich das Album schneller, als das frisch gegründete Plattenlabel Virgin Records aus London die Platten nachpressen lassen konnte. Tubular Bells machte dieses Label und dessen damaligen Besitzer Richard Branson über Nacht berühmt.

 

Das Album erreichte schnell die Top Ten der britischen Albumcharts und blieb beeindruckende 247 Wochen lang in den Charts. Heute ist Tubular Bells das erfolgreichste Instrumentalalbum eines einzelnen Musikers weltweit.

In den Vereinigten Staaten wurde Tubular Bells vor allem deshalb bekannt, weil eine kurze Sequenz daraus im erfolgreichen Horrorfilm Der Exorzist verwendet wurde. Oldfields zweites Album Hergest Ridge war pastoraler und melodiöser gehalten, unter anderem enthält es aber auch die Passage „Electronic Thunderstorm“, in welcher 90 Gitarren (per Overdub) gleichzeitig zu hören sind. Das Album war in Großbritannien drei Wochen auf Platz 1 der Charts. Der Nachfolger Ommadawn enthielt viele folkloristische Elemente und stellt ein frühes Beispiel für Weltmusik dar.

 

 

Für den schüchternen Mike Oldfield war der plötzliche Erfolg eine Belastung; es kam zu Fluchtreaktionen und Zusammenbrüchen. Erst mehrere Therapien halfen ihm. Um Menschen zu ermutigen, psychiatrische Hilfe in Anspruch zu nehmen und um Akzeptanz dafür zu werben, gründete er in den 90ern die Stiftung Tonic, die jedoch ein paar Jahre später wieder aufgelöst wurde.

Vor der Veröffentlichung des Doppelalbums Incantations 1978 nahm Oldfield an dem Selbstsicherheitstraining Exegesis teil. Aufnahmen aus dieser Zeit wurden auf dem Album Exposed veröffentlicht. Incantations fasste viele Aspekte von Hergest Ridge und Ommadawn in vier Stücken von 17 bis 20 Minuten Länge zusammen.

Die 80er Jahre
In den frühen 1980er Jahren wendete sich Mike Oldfield der damals populären Musik zu. Anfangs veröffentlichte er kürzere Instrumentalstücke und Coverversionen auf den Alben Platinum und QE2 (benannt nach dem Schiff Queen Elizabeth 2), bei dem auch Phil Collins bei zwei Stücken als Schlagzeuger mitwirkte. Kurz darauf begann er eigene Lieder zu schreiben. Gesungen von verschiedenen Künstlern, begleitete er diese mit der Gitarre, meist mit einem längeren Solo.

 

 

1981 veröffentlichte ein Schallplatten-Label unter Oldfields Namen ein Album „The Consequences Of Indecisions“. Tatsächlich handelte es sich aber dabei um das bereits 1977 veröffentlichte Album „Keesojen Lehto“ des finnischen Musikers Pekka Pohjola. Unter anderem wirkten Mike und Sally Oldfield auf dem Album mit.

Die größten kommerziellen Single-Erfolge Oldfields waren in den Achtzigern des 20. Jahrhunderts: Moonlight Shadow, von dem fälschlicherweise oft angenommen wird, dass es den Tod von John Lennon thematisiert, gesungen von Maggie Reilly, war 1983 die drittmeistverkaufte Platte in Deutschland. Weitere Hits folgten mit Shadow On The Wall (1983, gesungen von Roger Chapman), To France (1984), Discovery (1984) und Pictures in the Dark (1985). 1984 komponierte Oldfield zu dem Film The Killing Fields von Roland Joffé den gleichnamigen Soundtrack. Nach einer kreativen Auszeit folgte 1987 Islands und 1989 Earth Moving.

 

 

Die 90er Jahre
In der Folgezeit kam es zu Auseinandersetzungen mit seiner Plattenfirma Virgin Records, da sich diese als nächstes Album ein Instrumentalstück in Form eines Tubular Bells II vorstellte (das erst später verwirklicht wurde). Oldfields rebellische Antwort war das Album Amarok (1990), ein einstündiges Werk mit beständig wechselnden Themen, möglicherweise, um das Auskoppeln einer Single unmöglich zu machen, und z.T. ungemein hoher Dynamik. Dies erschwerte das Pressen auf Vinyl stark. Der durchgängige 60 Minuten lange Track auf der CD ließ sich auch nicht einfach in zwei Teile für die beiden Seiten einer LP teilen. Der auf dem Album enthaltene Morsecode bei Minute 48 bedeutet „fuck off r b“, was seine Streitigkeiten mit Richard Branson, dem Chef von Virgin, unterstreichen sollte. Es handelt sich hierbei um ein experimentelles Album mit humoristischen Parts und abwechslungsreichen Stilrichtungen.

Auf Oldfields letzter Platte für Virgin, „Heaven’s Open“ (die er 1991 als „Michael Oldfield“ veröffentlichte), sang er alle Stücke selbst, wofür er eigens Gesangsunterricht nahm.

Für das Label Warner kehrte Oldfield zu seinen Wurzeln zurück und komponierte Tubular Bells II (1992), eine Interpretation seines ersten Albums mit neuen musikalischen Einflüssen. Es folgten The Songs of Distant Earth (eine Vertonung basierend auf dem gleichnamigen Roman von Arthur C. Clarke), das folkloristische Voyager und Tubular Bells III, das von der Techno- und Dance-Musik seiner damaligen Heimat Ibiza geprägt ist. 1999 veröffentlichte Mike Oldfield das Album Guitars, bei dem sämtliche Töne mit Hilfe von Gitarren erzeugt wurden.

2000 bis heute
Zum Jahrtausendwechsel trat Oldfield an der Siegessäule in Berlin zum „Art in Heaven Concert“ auf, wo er vor beinahe 600.000 Zuschauern auch Teile aus dem Album The Millennium Bell live aufführte. Etwa 200 Millionen Zuschauer verfolgten das Konzert im Fernsehen.

2002 erschien das Album Tr3s Lunas. Gleichzeitig veröffentlichte er ein Computerspiel mit gleichem Namen, welches jedoch keinen kommerziellen Erfolg hatte, da die Animationen nicht zeitgemäß waren. Anklang fand das Spiel hingegen bei Fans, da es viele neue Melodien enthielt. Der Nachfolger Maestro stellte technisch gesehen keine Weiterentwicklung dar, enthielt darüber hinaus kaum neue Musik und hatte ebenfalls keinen kommerziellen Erfolg.

2003 veröffentlichte Mike Oldfield Tubular Bells 2003, eine Neufassung der 30 Jahre zuvor erschienenen Tubular Bells, auf CD und Audio-DVD im persönlich abgemischten 5.1-Surroundsound. Oldfield erklärte, dass er damit viele Unvollkommenheiten des Originals verbessern konnte, die auf die damaligen Aufnahmetechnologien und die Zeitbeschränkungen für Studioaufnahmen zurückzuführen waren (Seite 1 des Megasellers musste 1973 in nur einer Woche aufgenommen werden).

Mike Oldfield lebte viele Jahre mit Anita Hegerland (Roy Black & Anita) zusammen, die für Mike Oldfield u. a. auch in den Stücken „Pictures In The Dark“ und „Innocent“ gesungen hat. Gemeinsam haben sie zwei Kinder namens Greta und Noah. Nach der Trennung Ende der 80er-Jahre heiratete er 2003 seine jetzige Frau Fanny. Im Mai 2003 feierte Mike Oldfield seinen 50. Geburtstag, den 30. Jahrestag der Veröffentlichung von „Tubular Bells“ und eben seine Hochzeit. Er hat mit seiner Frau Fanny zwei Söhne namens Jake und Eugene.

Im Mai 2005 unterschrieb Mike Oldfield einen Vertrag mit Mercury Records über drei neue Alben. Das erste ist ein Doppelalbum, das am 7. Oktober 2005 erschienen ist und „Light + Shade“ heißt. Wie schon auf Tr3s Lunas verschreibt er sich hier dem Chill-Out-Trend. Das Album enthält eine Software (U-MYX), mit dem man sich seinen eigenen Mix erstellen kann.

Im Dezember 2006 war Mike Oldfield zum ersten Mal seit dem Millennium-Konzert im Jahr 1999 wieder live in Deutschland zu sehen. Bei der Nokia Night of the Proms trat er als einer der Headliner auf. Er spielte spezielle Arrangements seiner Klassiker von „Tubular Bells“ und „Ommadawn“. Außerdem waren „Moonlight Shadow“, „To France“ und „Shadow On The Wall“ zu hören. Für den Gesang sorgten bei diesen Stücken Miriam Stockley, die bereits während des Millennium-Konzerts für ihn gesungen hatte, und John Miles.

Am 14. März 2008, drei Tage vor der Veröffentlichung in Großbritannien, erschien Oldfields Album Music Of The Spheres in Deutschland. Darauf kehrt er in Zusammenarbeit mit Musikern wie dem Pianisten Lang Lang und der neuseeländischen Sopranistin Hayley Westenra wieder zu seinen klassischen Wurzeln zurück. Bereits eine Woche zuvor (7. März) wurde das Werk im Guggenheim-Museum in Bilbao, Spanien, vor geladenen Gästen und unter Beteiligung von Hayley Westenra uraufgeführt.

Ab 2009 erschienen Oldfields frühe Alben in neu abgemischten Versionen bei seiner neuen Plattenfirma Mercury. Nach Tubular Bells 2009 sind im Juni 2010 auch Hergest Ridge und Ommadawn wiederveröffentlicht worden. Die CDs enthalten neben einem neuen von Oldfield persönlich hergestellten Stereo-Remix auch Bonusstücke wie Single-B-Seiten, Demofassungen und in limitierter Deluxe-Ausgabe auf beigelegten Bonus-DVDs neue 5.1 Surround-Mixe in Dolby Digital.

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