Konzert am 16.09.1973 in der Ernst-Merck-Halle in Hamburg

The Moody Blues sind eine britische Rockband. Sie gelten als maßgebliche Wegbereiter des Symphonic Rock, wurden aber auch anderen Sub-Genres wie Art Rock oder „Lush Pop“ (Starostin) zugeordnet. Unter den noch aktiven Bands der so genannten British Invasion sind die Moody Blues nach den Rolling Stones und The Who die dauerhaft erfolgreichsten, vor allem in den USA, wo sie nach wie vor jedes Jahr touren. Selbst bezeichnen sie sich gern als Schnittmenge diverser Stile und Fan-Projektionen; dennoch sei „That Sound“ unverwechselbar.

 

 

Anfang der 1960er waren Ray Thomas und John Lodge mit der Band El Riot & the Rebels in Birmingham recht populär. Später stieß Mike Pinder als Keyboarder dazu. Nach dem Ende der Band versuchten Thomas und Pinder mit den Krew Cats in Norddeutschland (unter anderem in Lüneburg) Fuß zu fassen. Wieder zu Hause, traten sie im Frühjahr 1964 mit Denny Laine, Graeme Edge und Clint Warwick erstmals als Moody Blues Five, dann Moody Blues auf. Der zuerst angedachte Bandname M & B 5 wurde fallengelassen, nachdem sich die Hoffnung nicht erfüllt hatte, die örtlichen Bierbrauer Mitchell’s & Butlers als Sponsoren zu gewinnen.

 

 

Ex-Rebel John Lodge und der Sänger/Gitarrist Justin Hayward ersetzten die personellen Abgänge bei den Moody Blues. Da sie mit ihrem bisherigen im Rhythm and Blues verwurzelten Sound keinen Erfolg mehr hatten, beschlossen sie, ihren Stil radikal zu ändern. Die Band war eine der ersten, die ein Mellotron einsetzten, um einen sinfonischen Sound zu erzielen. Thomas lernte Querflöte, auch das ein damals eher ungewöhnliches Instrument für eine Rockband.

 

 

Um ihre Schulden und Verpflichtungen gegenüber Decca abzubauen, ging die Band die Verpflichtung ein, eine Rock-’n’-Roll-Version von Dvořáks 9. Sinfonie einzuspielen, um die klanglichen Möglichkeiten des „Deramic Sound Systems“ auf einer Art Demo-Platte vorzuführen. Sie nutzten jedoch die Krise als Chance, indem sie auf ihrer künstlerischen Freiheit bestanden und statt des klassischen Werkes eigene Titel aufnahmen. Unter Mitwirkung eines Sinfonieorchesters unter Peter Knight, das zwischen den Stücken deren Motive variierte, entstand 1967 das Album Days of Future Passed, das sich zu aller Überraschung hervorragend verkaufte und bis heute als Meilenstein unter allen Konzeptalben gilt. Produzent dieses und der folgenden Alben bis 1978 war Tony Clarke, der am 4. Januar 2010 verstarb.

 

 

Die beiden ausgekoppelten Singles, Tuesday Afternoon und vor allem Nights in White Satin, das ein Evergreen wurde, gelangten in den Hitparaden zunächst auf bescheidene Plätze; in den 1970er Jahren erlebte Nights in White Satin allerdings ein Comeback und platzierte sich beiderseits des Atlantiks in den Top 10. Das Lied, das von zahlreichen Künstlern gecovert wurde, ist bis heute das Stück geblieben, mit dem die Gruppe am meisten identifiziert wird. Auch das nächste Album In Search of the Lost Chord aus dem Jahr 1968 wurde ein Erfolg, ebenso die Single Ride my See-Saw, die erste in 8-Spur-Technik produzierte Aufnahme. Der Bandsound wurde zunehmend komplexer. 1969 erschienen On the Threshold of a Dream und das Konzeptalbum To Our Children’s Children’s Children, das die erste Mondlandung feierte.

 

 

Es war gleichzeitig die erste Veröffentlichung auf dem bandeigenen Plattenlabel Threshold Records. Die teilweise ungünstigen Kritiken durch manche Kritiker konnten den Erfolg der Moody Blues nicht negativ beeinflussen. Unter anderem wurde der Band „grenzenlose Sentimentalität“ vorgeworfen, doch bei vielen Fans hatten sie inzwischen Kultstatus und rückblickend gilt diese Zeit als „Classic 7“-Phase, was auf die symbolträchtigen sieben Jahre und sieben damaligen Alben anspielt.

The Moody Blues hätten ursprünglich beim Woodstock-Festival auftreten sollen, wie auf frühen Plakaten zu sehen ist. Triumphal war ihr Auftritt auf dem Isle of Wight Festival 1970.

Nach den nächsten Alben A Question of Balance (1970), Every Good Boy Deserves Favour (1971) und Seventh Sojourn (1972), den Single-Hits Question, Isn’t Life Strange und (in den USA) I’m Just a Singer in a Rock ’n’ Roll Band sowie der erwähnten Wiederveröffentlichung von Nights in White Satin legten die Moody Blues eine kreative Pause ein.

 

 

Ob es sich um eine Pause handelte oder ob die Band sich getrennt und aufgelöst hatte, blieb jahrelang unklar. Die Bandmitglieder nahmen Soloalben auf, Hayward und Lodge produzierten mit Studiomusikern das erfolgreiche Duo-Album Blue Jays, mit dem sie auch auf Tour gingen, und hatten mit Blue Guitar 1975 eine Top-Ten-Single, die Hayward mit der Band 10cc in deren Studio aufgenommen hatte. Allerdings gelang es nur Justin Hayward, eine Solo-Karriere mit einem gewissen Maß an Erfolg und Kontinuität zu verfolgen. Dabei war er – nach eigener Aussage – als einziger gegen die Trennung gewesen: Nach Beginn der Aufnahmen für das geplante nächste Album „(…) kam ein Anruf aus der Kantine. Da saßen die anderen – Mike, Ray, Graeme und John (…) und einer sagte: ‚Ach ja, wir haben entschieden, dass wir nicht an einem Album weitermachen werden‘. Einfach so.“

 

 

1978 legten die Moody Blues mit Octave wieder ein gemeinsames Album vor, das sich aber als das letzte in ihrer „klassischen“ Besetzung erweisen sollte. Anschließend löste ein neuer Produzent, Pip Williams, den „sechsten Moody“ Tony Clarke ab. Mike Pinder lebte jetzt in den USA, wollte nicht mehr mit der Gruppe touren und wurde durch den Keyboarder Patrick Moraz ersetzt, der zuvor bei Yes und Refugee gespielt hatte. Mit Moraz gewannen die Liveauftritte an Dynamik; als er dann auf Long Distance Voyager als fünftes Bandmitglied präsentiert wurde, sah sich Pinder zu Unrecht aus der Gruppe verdrängt und verklagte die bisherigen Kollegen, was zu einem langanhaltenden Zerwürfnis führte. Obwohl die Alben der Moody Blues fortan nicht mehr den Charakter von Konzeptalben besaßen, wie in den 1960er und 1970er Jahren, blieben sie zunächst beim Publikum erfolgreich, so erreichte Long Distance Yoyager 1981 sogar den ersten Platz in den USA; 1986 wurde die Single Your Wildest Dreams ein Top-Ten-Hit und gewann die Billboard-Auszeichnung Video of the Year).

 

 

Ab Mitte der 1980er Jahre verwendeten die Moody Blues bei ihren Plattenaufnahmen und Konzerten zusätzliche Musiker wie zum Beispiel den Keyboarder Bias Boshell und zogen schließlich auch Background-Sängerinnen hinzu. Außerdem wurden die Alben der 1980er und 1990er Jahre immer deutlicher von Hayward, Lodge, Moraz und dem nächsten Produzenten Tony Visconti geprägt, die den Gruppensound mit Hilfe computergestützter Studiotechnik Sampling und Sequencing“) zu modernisieren versuchten, während die Anteile von Graeme Edge und Ray Thomas abnahmen. Ergebnis waren einige Alben von umstrittener Qualität sowie zunehmende Konflikte in der Band. Thomas beschränkte sich jahrelang auf die Liveauftritte, im Studio tauchte er kaum noch auf.

 

 

Inzwischen war die Band bei großen Teilen der heimischen Musikpresse in Ungnade gefallen. Die Chartpositionen ihrer Singles und Alben blieben deutlich unter denen in den USA, wohin sich die Moody Blues nun mehr und mehr zurückzogen, was Liveauftritte betraf. Erst gegen Ende der 1990er Jahre sollte sich die Anti-Stimmung auflösen und die Band wie früher wieder die Royal Albert Hall füllen.

 

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